Unsere Lieblingsbücher

Xaver im Uhrenland - Weihnachten bei den Schwarzwald-Engländern


Bildquelle: Silberburg-Verlag
Xaver im Uhrenland
von Heidi Knobloch
mit Bildern von Martina Mair
48 Seiten
1. Aufl. 2017
Silberburg Verlag
ISBN 978-3-8425-2063-9
14,90€



Weihnachten bei den Schwarzwald-Engländern

eine wunderbare Erzählung aus einer längst vergangenen Zeit,
das uns ein Stück Geschichte näher bringt

Für Kinder ab 6 Jahren und auch Erwachsene


Als ich das buch in die Hände bekam zog es mich irgendwie magisch an.
Ich kann gar nicht sagen wieso genau. War es der Titel oder ehr die Illustration?
Wohl beides.
Als eines unserer Lesekinder das Buch auf meinem Schreibtisch liegen sah kam er auf mich zu und fragte ob wir das Buch lesen können. Ich fragte zurück "wieso dieses Buch?" und der 6 Jährige sagte:" ich mag Bücher die alt aussehen. Die eine Geschichte von früher erzählt."
Ja, ich glaube genau das war es was auch mich anzog.
Unsere Erwartungen wurden erfüllt.
Es ist ein wunder,-wunderbares Buch für Kinder ab etwa 5 Jahren. 
Heidi Knobloch erzählt uns eine Geschichte, die sich genau so zugetragen hätte haben können. Das es eine Weihnachtsgeschichte ist wird erst zum Ende deutlich, das uns in eine sehr besondere , sehr stille, warme Stimmung versetzt, die einen noch lange begleitet.
Klar und sehr anschaulich erzählt uns die Autorin vom Leben des kleinen Bauernjungen Xaver, dessen Leben eigentlich schon vorgeplant ist. Er hütet die Ziegen und soll später mehr Hofarbeit übernehmen. Doch Xaver möchte lieber das Uhrmacherhandwerk erlernen. Uhren bauen, reparieren und Verkaufen, das hatte er mitbekommen bringt viel, viel Geld.
Xaver lebt im Schwarzwald. Diese Region war immer schon bekannt für seine Uhren. Ihr Ruf war in  der ganzen Welt bekannt und so kam es, dass einige Leute auszogen in anderen Ländern ihr glück zu suchen. So auch in England.
Die sogenannten Schwarzwald-Engländer lebten davon Uhren aus der Heimat zu verkaufen und zu reparieren. 
Genau das wollte Xaver auch, doch wie soll ein einfacher Hirtenjunge zum Uhrmacher / Händler werden?
Niemand nimmt seinen Wunsch so richtig ernst bis eines Tages ein Onkel zu Besuch kam, der eben solch ein Schwarzwald-Engländer war. Er erkannte Xavers Potential und bot an ihn mit nach London zu nehmen. 
Tatsächlich schafft es der Junge die Eltern zu überreden ihn ziehen zu lassen.
In London erlebt Xaver eine völlig andere nicht immer so positive Welt. Er ist sehr bemüht alles richtig zu machen, zu lernen und zu verstehen doch er ist nicht perfekt muss noch viel lernen. Er lernt nette Leute kennen, die auch aus dem Schwarzwald kommen, die ihn einladen, ihm ein Stück Heimatgefühl geben, so wie er es ihnen auch gibt mit seinen ganz aktuellen Erzählungen aus der guten alten Heimat.
Doch nicht jedem gefällt Xavers Auftauchen und das führt zu einer ganz besonders bösen Situation, die Xaver in tiefe Verzweiflung stürzt.
Doch sein Onkel hat Verständnis für den Jungen, weiß das Lehrjahre keine Herrenjahre sind. Mit Güte und Fairness reagiert er auf Fehler, die Xaver macht, gibt ihm immer wieder eine Chance und so wird am Ende dann , dank der Güte des Onkels und der Freundschaft zu seinen neuen Freunden doch noch alles gut . Wie gut, das wir Xaver zu Weihnachten bewusst. Nach Angst, Verzweiflung, Wut und Enttäuschung ist das Schwarzwälder -Weihnachtsfest in London zur Zeit von Queen Victoria ein wunderbarer Abschluss für diese Geschichte.
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Wir erfahren nicht nur unglaublich viel über den Schwarzwälder Uhrenhandel früherer Zeiten, über Weihnachtstraditionen sondern auch viel über das Leben und den Wert von Freundschaft.
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Begleitet wird die Erzählung von wundervollen großformatigen, sehr stimmungsvollen Bildern, die uns ein Gefühl für das Leben zu jener Zeit vermitteln. Sie sind faszinierend, ausdrucksstark und laden ein ,ein wenig zu verweilen um die Stimmung auf zu nehmen.
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Unsere Leskinder waren zwischen 5 und 13 Jahren. Für die Kleineren war es eine zu lange Geschichte mit zu viel Dingen, die sie nicht auf einmal aufnehmen konnten. Sie haben sich mit der Zeit aus der Lesung heraus gezogen doch ab 6 Jahren war die Aufmerksamkeit und das Interesse an der Erzählung sehr groß. Wir haben lange noch über das Buch gesprochen. Hier merkte man deutlich wie berührt die Kinder waren.
Mehrere Kinder wollten das Buch noch einmal alleine lesen. Das ist eigentlich die beste Rückmeldung, die man bekommen kann.
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Wer die Geschichte mit jüngeren Kindern anschauen möchte, und ich sage hier bewusst "anschauen" dem empfehle ich das Buch vorher genau zu lesen, sich einige wichtige Stickpunkte zu machen und dann anhand der Bilder frei zu erzählen.
Das gelingt erstaunlich gut, da die Bilder die Geschichte sehr gut illustrieren und uns mit nehmen.
Das haben wir in einem zweiten Treffen für 4 bis 9 Jährige gemacht. Am Abschluss haben wir kleine Kuckucksuhren gebastelt und dabei viel gesungen.

In der Adventszeit werden wir diese Lesung wiederholen und mit einer Plätzchen Back Aktion beenden.
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Mich als Erwachsenen Leser hat dieses Buch unglaublich eingefangen, weil es ein intensives Gefühl für die frühere Zeit vermittelt, Eine Person zu begleiten ist wesentlich intensiver und persönlicher als irgend eine Schilderung über die damalige Zeit.

Also möchte ich hier mit der Empfehlung enden, das Buch nicht nur in Kinderhände zu geben sondern vielleicht auch mal einem Erwachsenen zu schenken.

p.s. In der Seniorengruppe kam das Buch ebenfalls toll an!