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Der Grolltroll


Der Grolltroll
eine Geschichte von Babara van den Speulhof
mit Bildern von Stefan Pricken
32 Seiten
1. Aufl. 2018
ISBN: 978-3649628934
Coppenrath Verlag
14,00€

Eine Geschichte über Wut
für Kinder ab 3,5 Jahren


 Wieder einmal entführt uns Barbara van den Speulhof in eine ihrer Geschichten, die so wundervoll erzählt sind, das man vom ersten Moment an so gefesselt und fasziniert ist und das Gefühl hat, als wäre man in einem Traum.
Man fühlt  förmlich die Wärme der Sonne auf der Haut und riecht die Blumen und den Wald. Wir hören das plätschern des Baches und fühlen, wie herrlich das Leben ist.
Wir sehen eine Waldlichtung mit buntem gemütlichem Treiben.  Ein  Igel sitz auf einer Bank, der Hase hängt die Wäsche auf und eine Maus und ein Vogel beäugen neugierig ein blaues Wesen, das mit den Schmetterlingen zu spielen scheint.
Das blaue, haarige Wesen mit spitzen Ohren und Kugelbauch sieht gar nicht böse oder unzufrieden aus. Nicht so wie auf dem Cover und wir fragen uns was ist geschehen, das dieses knuffige Wesen so grimmig gucken kann.
Die Erwachsenen wissen es schnell, denn jeder von uns, mag er auch noch so freundlich und lieb drein schauen kann zu einem Grolltroll werden und unzufriedene Kinder sind oft noch viel, viel impulsiver als man es zu glauben vermag. Genau wie unser kleines blaues Monster das viele Ideen im Kopf hat. An einem dieser Tage möchte er sich ein kunterbunte Hütte bauen und so macht er sich auf, sammelt das nötige Material und fängt an zu bauen, nur irgendwie klappt alles nicht so wie er sich das vorstellt. Er probiert und tut und macht und trotz guter Pläne und ausreichend Material so wie er sich das vorgestellt hat wird es nicht und ihr ahnt es wohl schon, unser kleiner Troll wird wütend, trotzig und hat furchtbar schlechte Laune, die er deutlich heraus lässt.  Er fängt etwas neues, ganz anders an aber auch das gelingt ihm nicht. Wie er in seiner Wut und Enttäuschung reagiert, das erfahrt ihr wenn ihr diese Geschichte lest. Der kleine Troll wird gewaltig, sehr gewaltig wütend und immer wütender mit jeder Niederlage, jedem Frust den er in der Wut erlebt. Und was passiert wenn sich immer mehr und mehr aufstaut? Es ist fast wie ein Gewitter das sich entlädt eben ein Grolltroll. Nun könnte man meinen das es wie in der Natur ist und nach einem Gewitter alles wieder gut ist. Weit gefehlt. Der Frust sitzt so tief, das er den kleinen Troll nicht schlafen lässt und als er dann doch erschöpft weg nicht wacht er mit lauter Schmerzen auf, so unbequem und verkrampft hat er gelegen und das wiederum, ihr ahnt es macht ihn wieder wütend.
So wütend, dass seine Freunde endgültig die Nase voll haben und gehen. Erst ist es ihm ja noch egal, das er alleine ist aber mit der Zeit wird ihm klar, das er sich falsch verhalten hat.
Und was meint ihr, was macht der kleine Troll?
Sicherlich hat jeder seine eigenen Ideen. Was der Grolltroll allerdings macht, das verrate ich euch noch nicht nur so viel es wird wunderschön und bunt und alle sind wieder glücklich, denn wenn man Freunde hat, dann ist alles halb so schwer.

Eine wunderschöne Geschichte über die Wut.
Wir erleben wie sie beginnt, eins zum anderen kommt und die Wut immer gewaltiger wird. Wir merken aber auch das die Wut eigentlich mit viel eigener Enttäuschung über sich selbst zu tun hat. Es läuft nicht so wie man es sich vorstellt. Die Unzufriedenheit breitet sich aus. Aus schlechter Laune und Frust wird Wut, die sich einen Kanal sucht. Wir werden ungerecht gegenüber Freunden, verprellen sie sogar vielleicht. Am Ende stehen wir allein da.
Doch wie hätte man anders reagieren können?
Was hätte der kleine Troll anders machen können?
Die Geschichte bietet viel Raum für Gespräche.
Auch unsere Lesekinder hatten da so ihre Ideen. Am Ende hatten wir nicht nur die Geschichte vom Grolltroll gehört sondern einige Geschichten mehr.
Aber auch wenn wir so schlaue Ratschläge für den kleinen Troll haben und ihm zeigen könnten wie er hätte anders reagieren können ist uns klar, wenn wir in der Situation gewesen wären hätten wir diese Ratschläge vermutlich auch nicht angenommen.
Oder doch?
Mal ehrlich?
Wir reagieren schon mal über, das ist eben so und gehört gerade bei Kindern zur Entwicklung dazu. Wichtig ist doch, das wir, so wie der kleine Troll, daraus lernen.
Und so können wir hoffen, das wir uns, wenn wir uns nächstes mal in einer ähnlichen Situation befinden, an die Geschichte vom Grolltroll erinnern und vielleicht dann doch etwas anders reagieren.
In diesem Sinne wünsche ich euch genauso viel Freude beim Entdecken und Erleben des Buches, wie wir es hatten und bestimmt noch oft haben werden, denn eins ist klar auch diese Geschichte von Barbara van den Speulhof wird eine Lieblingsgeschichte.
Und da ein Bilderbuch nicht nur von der Geschichte lebt sondern im großen Maße auch von den Illustrationen erzähle ich euch selbstverständlich auch noch etwas über die fantastischen Illustrationen, die eine besondere Wärme, Farbigkeit und damit verbundene Fröhlichkeit ausstrahlen gleichzeitig aber auch wunderbar ausdrucksstark und gefühlvoll sind. Man spürt förmlich die Wut, wie sie sich hochschaukelt immer stärker und stärker wird, die Verzweiflung, das Unglücklich sein, aber auch das Entsetzen, das Unverständnis der Freunde. So fühlen wir mit dem kleinen Troll, die Bilder erreichen uns tief, wir können die Wut nachvollziehen haben zuweilen das Gefühl ein wenig selbst der Troll zu sein. Wenn Bilder so wirken, das man sich in die Figuren hinein versetzt und mitempfindet dann sind sie wirklich ausdrucksstark im wahrsten Sinne des Wortes. Und so gehen wir nicht nur in der Geschichte mit lassen die Bilder auf uns wirken sondern sie ziehen uns so tief in die Geschichte, das wir Teil von ihr werden.
Dies formulierten unsere Lesekinder auf unterschiedlichste Weise.
Ein Junge wischte sich die Stirn und sagte:".... puh, war das anstrengend. Ich glaub ich war zwischendurch fast so wütend und traurig wie der Grolltroll."
Mir ging es ähnlich. Ich war zwar nicht wütend aber das Mitgefühl für den kleinen Troll drückte, man litt mit. Ich dachte es wäre ein Gefühl was Erwachsene plagt aber wie man sieht es geht Kindern ähnlich und das eben genau wegen der Bilder, die das ganze Ausmaß verbildlichen, visualisieren und damit so intensiv machen.
Das Ende lässt uns aufatmen, und Glück empfinden und das nicht nur weil sich alles zum Guten gewendet hat sondern auch wegen der wundervollen Abendstimmung und der besonderen Farbigkeit mit dem der Illustrator seine Leser aus der Geschichte führt.