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Ich bin anders als du/ Ich bin wie du Mitlesen

 



Bildquelle: Carlsen Verlag
Ich bin anders als du/
 Ich bin wie du
-Ein Wendebuch-
Das große Bilderbuch zum Vor- und Mitlesen
von Constanze von Kitzing
96 Seiten
1. Aufl.18.März 2021
ISBN: 978-3-551-17124-5
Carlsen Verlag 
16,00€
Die Welt ist bun!
Jeder ist anders und doch sind wir uns so ähnlich, egal wie wir aussehen oder wo wir her kommen. Das ist die zentrale Botschaft dieses Buches
zum Vor- und selber Lesen
für Kinder ab 4 Jahren
Dem ein oder anderem werden die Illustrationen bekannt vorkommen. Kein Wunder denn das Hartpappenbilderbuch gibt es bereits seit August 2019. Da die Resonanz auf das Buch so groß war und den Verlag immer wieder Anfragen erreichten, ob es das Buch auch für ältere Kinder gibt oder geben könnte, gern auch mit mehr Geschichtenanteil, hat der Verlag dies aufgenommen und so entstand das nun herausgekommene "Bilder"buch zum Vor- und selber lesen, das genau wie das kleinere Hartpappenbilderbuch zum Wenden ist.
Constanze von Kitzing hat sich unglaublich viel Gedanken und Mühe gemacht, Charaktere zu schaffen und ihre Geschichten zu erzählen. Wer mehr über die Entstehung des Buches erfahren möchte, dem empfehle ich einmal auf der Instagramseite von ihr vorbei zu schauen https://www.instagram.com/p/CM4P4eHBAzP/ wo sie nicht nur das Buch vorstellt sondern auch ganz viel zu den Figuren und ihren Geschichten, die durchaus reale Paten haben. Ein spannendes kleines Video, das ich wirklich jedem ans Herz lege und das ich auch mit Kindergruppen anschaue damit sie einen intensiveren Bezug zum Buch bekommen können. Wann immer es möglich ist lese ich nicht nur mit den Kindern das jeweilige Buch sondern versuche auch die Autor/in und Illustrator/in vorzustellen. So wird das Bucherlebnis noch intensiver.
Doch nun zurück zum Buch!
"Ich bin wie du" / "Ich bin anders als du" stellt die unterschiedlichsten Kinder und ein paar Erwachsene vor, die von sich und auch ihren Freunden erzählen. Für jedes Paar gibt es zwei Doppelseiten auf denen wir ihre Geschichten kennenlernen. Es ist ein wenig so wie bei einem Domino Spiel. So lernen wir z.B. 
Joy kennen. Joy sagt:
"Ich bin anders als du, weil....." und erzählt uns erst einmal etwas von sich. Wir erfahren, das Joy ein englischer Name ist und Freude bedeutet und Joy erzählt uns etwas über sich und ihre Familie. Am Ende der ersten Doppelseite stellt uns Joy, Piet vor. Blättern wir auf die zweite Doppelseite des Freundespaares erfahren wir von Joy erst einmal wieso die beiden unterschiedlich sind. Joy liebt Pizza, Piet lieber Spaghetti. Nun ist Piet an der Reihe. Wir blättern um und sehen Piet und seine Freundin Sophie.
Piet ist anders als Sophie, dann erzählt uns Piet etwas über sich und führt zum Ende der ersten Paar Seite Sophie vor um auf der zweiten Paar-Seite zu erzählen, wieso er anders ist als Sophie. Und so geht es immer weiter. Sophie ist anders als ihre Freundin Mila, 
 Mila ist anders als ihre Freundin Nura, Nura ist anders als....... .
So lernen wir viele Kinder mit unterschiedlichen Hobbys, Lebensweisen, Herkunftsfamilien, Wurzeln oder auch Handicaps kennen, die sich alle von ihrem Freund / ihrer Freundin unterscheiden und dennoch viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben. Hier erleben die Kinder, dass es toll ist das nicht alle Menschen ganz gleich sind und die eigene Persönlichkeit etwas sehr Wichtiges ist. Die Welt ist einfach bunt!
Sophie zum Beispiel ist ein Einzelkind und lebt mit ihrem Papa zusammen. Ihre Freundin Mila dagegen hat viele Geschwister. Sophie ist gerne bei Mila zu Besuch weil dort immer etwas los ist. Mila hingegen ist gern mal bei Sophie weil es bei ihr nicht so turbulent zu geht. Mila trägt ein Hörgerät weil sie schwerhörig/ gehörlos ist. Sie  teilt sich ein Zimmer mit mehreren Geschwistern. Sie liebt Tiere  und übt mit der Logopädin Sprechen. Sie erzählt uns, das Gehörlose mit ihren Händen sprechen können und erklärt wie es funktioniert. Greta hat einen Zwillingsbruder. Auf den ersten Blick sehen sie gleich aus und sie tun auch alles dafür, dass sie gleich wirken. Dennoch ist Greta anders als ihr Bruder Rudi ...
Unterschiede sind spannend und machen das Leben so vielfältig. Dennoch stellen wir bei allen Unterschieden auch fest, dass wir im Grunde gleich sind und so trifft "Ich bin anders als du weil..." auf "Ich bin wie du". Hier lernen wir wieder die unterschiedlichsten Kinder kennen, die dieses Mal sagen: "Ich bin wie du, weil...". Auf den ersten Blick scheint diese Aussage für den Betrachter fraglich weil sich die Paare optisch schon sehr unterscheiden doch die Protagonisten zeigen wie selbstverständlich "Gleich" ( "Ich bin wie du..") ist. Da lernen wir Sergej kennen, der im Rollstuhl sitzt und ein wahrer Rollibasketball-Spieler ist. Er ist wie Lilli, die aber nicht im Rollstuhl sitzt. Auch Lilli spielt gern Basketball. In der Mannschaft in der Sergje spielt ist ein großer Zusammenhalt. Er erzählt uns was diesen Zusammenhalt ausmacht und wir erfahren wieso er genauso ist wie die anderen. Es ist so simpel. "Ich bin wie du.. weil wir gerne teilen."
Lilli, ist wie ihr großer Bruder weil...
"..wir so gerne kuscheln."
Und David ist wie Lillis Freundin Sonea weil......
Wir lernen wieder die unterschiedlichsten Protagonisten und ihre Geschichten kennen.  Ein Kind im Rollstuhl genauso, wie ein Kinde aus einer Familie in der mit dem Papa Französisch und mit der Mutter Deutsch gesprochen wird. Ein Kind hat einem Chromosomenfehler genauso wie Kinder mit Brille oder deren Wurzeln in einem anderen Land beheimatet sind.
Besonders beeindruckt waren meine Lesekinder von der Aussage des kleinen Tom, der zu einer Polizistin sagt: "Ich bin wie du, weil... Hunde unsere Lieblingstiere sind" und die Polizistin Mona  sagt zu ihrer kleinen Tochter Minu "Ich bin wie du, weil...". Auch hier werden die einzelnen Geschichtennach dem Domino Prinzip weitergeführt bis ein Kind feststellt:
"Ich bin ich!" und so trifft der kleine Wahab aus dem Jemen auf Alva, die im Kinderzirkus gern den Clown spielt und genauso wie Wahab sagt: "Ich bin ich!"

Mit beiden Feststellungen "Ich bin wie du" und "Ich bin anders als du" wird klar, das bei allen Unterschieden es viel gemeinsames gibt. Das Unterschiede die Persönlichkeit ausmachen und man so zu der Feststellung kommt "Ich bin ich!"

Für Kinder wie Erwachsene ist es ein großer Spaß in dieses wundervolle Bilderbuch einzutauchen und neue Menschen und ihre Geschichten kennenzulernen.
Doch damit nicht genug. Die Figuren erzählen nicht nur von sich sondern stellen auch Fragen an die Leser. 
Sergje, der im Rollstuhl sitzt und in einer Basketball Mannschaft ist erzählt etwas vom Zusammenhalt in der Mannschaft wie auch in der Schule und möchte wissen: "Wie ist das bei euch in der Schule? Haltet ihr zusammen?"
Wir hören von Kindern, die einen harmlosen Streich spielen und von den Lesern wissen möchten was ihr bester Trick war.
Sophie, das Einzelkind und ihre Freundin Mila mit den vielen Geschwistern möchten wissen ob die Lesekinder Geschwister haben oder Einzelkinder sind und Oskar interessiert es wann andere Kinder ins Bett gehen. So wird das Buch nicht nur zu einer Erlebnisreise sondern auch  zu einem interaktiven Erlebnis, was gerade wenn man das Buch mit mehreren Kindern liest zu vielen interessanten Gesprächen führen kann.

Interaktiv ist dann auch das Stichwort für ein weiters Element des Buches, das mit Kindern nicht nur entdeckt sondern auch gemeinsam gelesen werden kann.
Kleine "Leser" ohne Leseerfahrung können "mit lesen" in dem sie die Wörter, die als kleine Bilder (Vignetten) dargestellt sind "lesen". Das Mitlesen erhöht die Aufmerksamkeit, erweitert den Wortschatz  und macht einfach viel Spaß.
Kindern, die bereits etwas lesen können, wird es durch die große Druckschrift und den großen Zeilenabstand leicht gemacht den Text zu lesen. Mit dazu bei trägt dann wieder das Prinzip "mit Bildern lesen lernen", das viele aus dem Bereich der Erstlesebücher kennen.
Am Ende bzw. am Anfang des Buches (je nachdem wo man mit dem Lesen beginnt -Wendebuch-) findet man auf mehreren Seiten Glossar alle Bilder und die dazugehörigen Wörter.
Selberleser erweitern so nicht nur ihren Wortschatz sondern prägen sich auch das Wort als Schriftbild ein.

Fazit:
Selten habe ich ein so inspirierendes, vielfältiges Buch mit Kindern entdecken dürfen.
Es bietet so viel Input, so viel Anlässe für Gespräche und zeigt Vielfalt / Diversität so selbstverständlich wie es einfach sein sollte. Die Welt ist bunt und wundervoll wenn wir die Augen und das Herz öffnen. Kinder werden nicht mit Vorurteilen und Intoleranz geboren, sie entwickeln Vorurteile und Intoleranz durch eine Vielzahl von äußeren Einflüssen, insbesondere durch das Verhalten enger Bezugspersonen.
Wie selbstverständlich ein Leben miteinander sein kann machen die Protagonisten dieses Buches deutlich. Bleibt zu hoffen, dass wir irgendwann nicht mehr darüber sprechen müssen, wie besonders Vielfalt für unser Leben ist sondern es einfach leben.
Constanze von Kitzing schafft es mit den Portrais der Kinder und ihren Interaktionen untereinander ein Miteinander leben zu visualisieren, das die Vielfalt deutlich einfängt und widerspiegelt.
Meine Lesekinder fanden es unglaublich spannend andere Kinder und ein Teil ihres Lebens kennenzulernen und stellten viele Parallelen fest . Vielleicht bedarf es wirklich erst eines Buches um sich bewusst zu machen das uns mehr verbindet als trennt und das jeder für sich 
"ICH bin ICH!"
toll ist so wie er ist.
Das stärkt den Einzelnen und schafft Verbindungen.

Ein Tipp für die Arbeit mit Kindern:
Wir haben die Kinder sich selbst malen lassen. Ein Pappteller ist hier ein toller Untergrund. An die Pappteller haben wir kleine Holzstöcke aus der Natur geklebt ( man kann auch Rundhölzer etc. nehmen) zudem haben wir bunte Kreise aus Papier geschnitten wo die Kinder ihre Lieblingstätigkeiten etc. drauf malen konnten oder in Collagetechnik aus Katalogen, Zeitungen etc. etwas ausgeschnitten haben was etwas über sie aussagte. z.B. Lieblingstiere, Lieblingsbücher, Familien, Lieblingsobst, Essen usw. diese wurden wie Blütenblätter um den oberen Rand des Tellers geklebt. Alternativ haben einige Kinder Papierstreifen bemalt oder beklebt und diese wie Sonnenstrahlen an den Tellerrand geklebt. Mit dieser Identitäts-Sonne oder Blume stellten sie sich den anderen vor und verglichen wie viele Gemeinsamkeiten es gab und was es vielleicht für interessante Besonderheiten (vielleicht ein Außergewöhnliches Hobby oder ein besonderes Lieblingsessen). Das kann man in der Kita genauso machen wie in der Grundschule. Es bringt Kinder näher aneinander , fördert das Miteinander, das gegenseitige Verstehen und gleichzeitig den Sprachgebrauch, denn auch formulieren und erzählen will geübt werden.
bei der Bastelaktion wird man schnell erleben, das einige Kinder ihren eigenen Weg gehen. Bei uns hat ein Junge statt Blütenblätter oder Sonnenstrahlen seine Bilder in "Autoreifen"(gemalt) platziert was ein anderer Junge aufgriff und seine Zeichnungen in Bälle (gemalte) klebte. Ein Mädchen hat Wellenstreifen geschnitten damit die Sonne nicht nur gerade Strahlen hatte und ein Kind hat die Kreise um den Teller so angeordnet wie eine Raupe ( angelehnt an die Raupe Nimmersatt).
Ich werde hier demnächst noch ein paar Bilder vorstellen.
Parallel dazu haben wir Fotos von den Kindern gemacht und immer ein Kind mit seinem besten Freund zusammengelegt. Die Fotos wurden mit ablösbaren Pappstreifen verbunden. So entstanden Domino Karten mit denen die Kinder selbst ihre Verbindungen zusammen stellen konnten denn ein Kind hat ja meist mehrere Freund , die eine Gruppe bilden können. Schnell wird klar, auch wenn man mit einem Kind nicht so viel zu tun hat gibt es eine Verbindung über ein anders Kind mit dem man mehr spielt.
Das passende Hartpappenbilderbuch für Kinder ab etwa 3 Jahren
Bildquelle: Carlsen Verlag
Ich bin anders als du
von Constanze von Kitzing
82 Seiten
1. Aufl. 01. August 2019
ISBN: 978-3-551-17130-6
Carlsen Verlag
13,00€