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Oma Luise und die Schmetterlinge

  ab 4 Jahren eine Geschichte mit Anregungen            

Bildquelle: Mabuse Verlag
Oma Luise und die Schmetterlinge
von
Christina Kuhn und Anja Rutenkröger
mit Bildern von Magdalena Czolnowska
58 Seiten
1. Aufl. 22.März 2021
ISBN: 978-3-86321-453-1
Mabuse Verlag
16,95€
Ein Kinderfachbuch zum Thema Demenz
mit einer erzählende Geschichte, in der die Leser aktiv einbezogen werden und das in einem zweiten Teil Informationen für Erwachsene liefert
für Kinder ab 4 Jahren
Kindern das Thema Demenz näher bringen ist nicht so ganz einfach. Dieses "Kinderfachbuch zum Thema Demenz" ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie man sich gemeinsam mit dem Kind dem Thema nähern kann. Ausgehend von der Geschichte "Oma Luise und die Schmetterlinge" in der Klara uns am Leben mit ihrer Oma teilhaben lässt, werden die Leser durch kleine Frage passend zu dem gerade Gehörtem mit ins Geschehen einbezogen. Der Text der Geschichte ist farbig hinterlegt und wirkt ein wenig wie eine Textwolke (sagte ein Kind) und kann unabhängig von den Frageelementen vorgelesen werden. Gerade wenn man die Geschichte das erste Mal mit mehreren Kindern ließt bietet es sich an, erst einmal die Geschichte vorzulesen und in einem zweiten Schritt beides zu verbinden. 
Klara ist gern bei ihrer Oma Luise, denn mit ihr hat sie meist viel Spaß. Ihre Oma macht oft verrückte/ lustige Dinge und ist ganz anders wie die anderen Erwachsenen. Sie hat viele Verstecke für ihre Sachen, legt die Brille schon mal in den Kühlschrank oder ihre Handtasche in den Garten. Hin und wieder vergisst sie Worte, zieht sich lustig an, oder verwechselt Zucker mit Salz, aber genau das ist es, was Klara so an ihrer Oma mag. Luise hat ihr erzählt, das sie manchmal Schmetterlinge im Kopf hat und Gedanken dann mit ihnen wegfliegen. Damit sie nicht zu viel vergisst schreibt sie sich selbst kleine Erinnerungen auf Zettel, die sie überall in der Wohnung platziert. Eigentlich eine praktische Sache, doch bei Oma Luise sind es ganz schön viel Erinnerungszettel. Mit der Zeit wird Klaras Oma aber immer vergesslicher und es gibt Situationen, an denen sie mit Klaras Mama schimpft, das gefällt der Kleinen gar nicht. Es tut ihr weh wenn ihre Mama ausgeschimpft wird und erst recht weil Klara weiß, das es ungerechtfertigt und gemein ist. Als Luise eines Tages stürzt und ins Krankenhaus muss ist klar, zurück in ihre Wohnung wird die Großmutter nicht können, sie braucht einen Platz wo sie betreut werden kann, wo man sich den ganzen Tag um sie kümmert. Luise zieht in eine Einrichtung, wo viele alte Menschen zusammen wohnen und immer jemand da ist, der sich um sie kümmert. Klara kann ihre Oma natürlich gerne besuchen. Wenn sie zu Besuch kommt freut sich nicht nur Luise sondern auch die anderen Mitbewohner. Sie singen miteinander und haben auch sonst viel Spaß miteinander. 
Dies ist die Rahmenhandlung,  in die viele Fragen an die Kinder in separaten Feldern eingebettet sind. Jede Frage nimmt Bezug auf das gerade Gehörte, und im dazugehörigen Bild visualisierte, Geschehen. Hierdurch werden die Kinder noch intensiver mit in die Thematik geführt.

In dem die Kinder nach ihren Erlebnissen und Gefühlen gefragt werden wird ihr Verständnis für die Situation geweckt. Es sind Fragen wie:
"Was machst du, wenn du dich an Wichtiges erinnern willst?"
"Wie schaffen es Deine Großeltern, sich an etwas zu erinnern?"
oder 
"Wie fühlst du dich, wenn jemand mit dir schimpft, obwohl du nichts falsch gemacht hast?"
Die zum nachdenken anregen und reflektieren lassen.
Doch das ist noch nicht alles was dieses Buch beinhaltet.
In einem zweiten Teil bekommen Eltern, Erzieher:innen und alle, die sich mit dem Thema beschäftigen eine Einführung in das Thema Demenz. Welche typischen Symptome sind zu beobachten, was sind die Ursachen für die Symptome, wie ist der Verlauf der Demenz sind hierbei nur die Grundlagen, die im Weiteren intensiver beschrieben werden.
"Wie fühlen sich Menschen mit Demenz am Anfang?"
"Was macht der Arzt?"
"Wie können Erwachsene Menschen mit Demenz unterstützen?"
Wege der Kommunikation, Orientierung im Alltag und welche Möglichkeiten Kinder haben mit dementen Angehörigen umzugehen und wie Erwachsene dabei helfen können sind weitere praktische und informative Punkte des Buches.
Zum Abschluss geht es im Kapitel "Biografiearbeit mit Kindern- So können sich Oma und Opa besser erinnern darum, wie Kinder Informationen sammeln können und wie wichtig diese Punkte sind um Erinnerungen zu aktivieren. Zu wissen welche Musik jemand gern hört, wo der Lieblingsplatz ist oder welche Dinge wichtige Erinnerungsstücke sind, ist sehr wichtig. Sie können wie kleine Schlüssel sein und Türen im Gedächtnis öffnen.
Auf einigen Journal-Seiten ist Platz für eigene Eintragungen zudem gibt es eine Reihe von Anlaufadressen wo man sich Hilfe holen kann. Eine Rubrik mit Buchtipps rundet dieses informative und anschaulich gestaltete Buch ab.
Ein Buch, das in keiner Familie fehlen sollte, die Angehörige mit Demenz haben.
Den ersten Teil mit der Geschichte von Oma Luise und den Schmetterlingen kann man wunderbar, ohne konkreten Anlass mit den Kindern lesen. In der Familie, genauso wie in Einrichtungen. Sie sensibilisiert und lässt vieles verstehen. Genauso wie Bücher zum Thema Tod oder Depression etc. sollte man nicht erst zum Buch greifen wenn ein Anlass besteht, sondern Kindern einfach auch vermitteln, was es für Situationen geben kann. Wir schauen uns Bücher über Tiere, oder Menschen in fernen Ländern an, um einen Eindruck davon zu bekommen wie sie Leben. Wir lesen mit den Kindern Bücher über den Bauernhof und unsere Nahrung über Freundschaft, Urlaub und andere Dinge, die zu unserem Leben dazu gehören. Wieso als nicht auch das Thema Demenz?

Ergänzend zu diesem Buch gibt es im Mabuse Verlag noch ein Buch zum Thema Altenheim!

Bildquelle: Mabuse Verlag
Jori, Uroma und Herr Brause
-ein Kinderfachbuch über Altenheime-
von Veronika Demes
mit Bildern von Judith Loske
Michael Graber-Dünow
57 Seiten
1. Aufl. 2020
ISBN: 9783863215316
Mabuse Verlag
16,95€