Unsere Lieblingsbücher

Einzigartig! * Leben mit Behinderungen

Bildquelle: Fischer Sauerländer Verlag
Einzigartig
Leben mit Behinderungen
von Henrik Clausing
illustriert von Lena Hesse
64 Seiten
1. Aufl. 29. April 2026
ISBN: 978-3-7373-7405-7
Fischer Sauerländer Verlag
17,90€

Freut euch auf ein Buch, das verbindet.
Ein Buch, dass die Einzigartigkeit, und
das Leben mit Besonderheiten zeigt.
Freut euch auf ganz normale Alltagsgeschichten
von Kindern, die mit Beeinträchtigungen, Handicaps
oder, wie viele sagen, mit Behinderungen leben.
Lernt die unterschiedlichsten Beeinträchtigungen kennen,
die Herausforderungen des Alltags und die Vielfalt.
Ein Buch das Fragen beantwortet.
Ein Buch, das erklärt und so Verständnis aufbaut bzw. Brücken baut.
Wenn Kinder Unterschiede verstehen lernen, entsteht Nähe statt Unsicherheit, denn Vertrautheit schafft Natürlichkeit im Umgang miteinander
Ein Buch für Klein und Groß ab Grundschulalter (und zuweilen auch früher)

Vorab:
Die Altersempfehlung liegt im Grundschulalter, doch hat die Praxis gezeigt, dass das Buch auch schon Kindergartenkinder ab etwa 5 Jahren interessiert.
Es kommt immer auf die Form der Begleitung an.
Die Bildsprache ist sehr erklärend und mit der richtigen begleitenden Erklärung und dem Austausch zwischen Kind und Erwachsenen wird auch ein Buch, wie dieses, das vorrangig etwas ältere Kinder ansprechen soll, zu einem Buch, das auch jüngere Kinder verstehen und sie begeistert.
Wir haben es sogar schon mit 3 -jährigen angeschaut.
Manchmal reicht es, mit einem Kind ein Bild anzuschauen, um etwas zu erklären.
Darüber hinaus ist es auch ein Buch, in dem sich Kinder mit einer Beeinträchtigung wiederfinden. Hier werden sie gesehen und verstanden.
Da ist ein Buch, das ihnen eine Stimme gibt, was nicht weniger wichtig ist, wie der "aufklärende" Aspekt.
Nun zum Buch:
Noch ein Vorab:
Wir sprechen gewöhnlich von Behinderung...xy... doch eigentlich ist es nur eine Beeinträchtigung oder ein Handicap, ein etwas anders, ein Einzigartig-sein.
Zu Behinderten werden diese Menschen erst durch die Dinge, die sie in ihrem Alltag, in ihrem Leben behindern.
Schon während meines Studiums der Heilpädagogik hat einer unserer Professoren immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass es die Gesellschaft ist, die Menschen mit Beeinträchtigungen/Handicaps behindert. Dass es ihnen schwer gemacht wird, ohne Probleme am Leben teilzunehmen.
Dieser Aspekt kommt mir in dem Buch etwas zu kurz, ist aber auch der Grund, wieso ich mich extrem schwertue von Behinderten zu sprechen. Da es aber der Begriff ist, der hier im Buch gewählt wurde, nehme ich ihn (mit Bauchgrummeln) auch.

Euch erwartet ein schönes Buch, in dem Familien vorgestellt werden, in denen ein Kind mit einem Handicap zu Hause ist.
Mir (und den Kindern) hat es sehr gut gefallen, dass hier viele Kinder und Erwachsene selbst erzählen, was eine schöne Lebendigkeit und Authentizität spüren lässt. Hier kann gern auch mal geschmunzelt werden und alles ist sehr, sehr nahbar, was dem Thema sehr gut tut.
Es sind keine bloßen Informationen sondern Erzählungen in die Informationen eingebettet sind wobei einige Themen dann noch einmal aufgegriffen und näher beleuchtet werden.
In Verbindung mit den vielen ausdrucksvollen Bildern ist so ein Buch entstanden, das die Vielfalt wunderbar spiegelt, informiert und zeigt, wie bunt Leben ist. Gleichzeitig macht es auf Probleme (Handicaps) aufmerksam, denen viele Menschen mit Besonderheiten täglich konfrontiert sind.

Anhand des Kindes (auch mal eines Erwachsenen)wird auf die jeweilige "Behinderung", das Leben mit der Behinderung, auf Hilfsmittel und auch den Einfluss auf das Familienleben eingegangen. 
So baut sich Stück für Stück ein recht informatives Bild über "Behinderungen und das Leben mit einer Behinderung und mit Behinderten auf, das deutlich macht, dass jeder einzigartig, einzigartig wundervoll ist. Egal ob mit einer Besonderheit oder ohne.
Das Buch schlägt einen sehr umfangreichen Bogen in dem auch Inklusion, Teilhabe und Hilfsmittel Teil des Ganzen sind.
Wir lernen unterschiedliche "Behinderungen" kennen und lernen, was ihr Leben ausmacht. Wo sie im Alltag behindert werden, wie sie ihren Alltag meistern und welche Hilfsmittel ihnen dabei vielleicht helfen und mit jeder neuen Geschichte, mit jeder neuen Erfahrung und zunehmendem Wissen, verstehen die Kinder, dass Behinderungen zum Leben dazu gehören, aber letztendlich jeder ein einzigartiger Mensch, wie du und ich, ist.
Bestimmt werden durch dieses Wissen zahlreiche Berührungsängste abgebaut bzw. es entstehen erst gar keine.

Folgende Kapitel findet ihr im Buch:
* So wird Behinderung im Alltag sichtbar

* Elise spricht ihre eigene Sprache
* Was ist eigentlich eine Behinderung?
* Welche Formen von Behinderungen gibt es?
* Noah ist jetzt ein Stern
* Was ist eigentlich mit Teilhabe gemeint, und was soll Inklusion sein?
* Bjarne und sein Leben mit Vogelkackmann
* Behinderung und Sport
* Achtung! Aus dem Weg! Hier kommt Leon!
* Kuno kann fliegen!
* Manchmal reicht schon eine helfende Hand
* Kleine, schlaue (und echt coole) Helfer für den Alltag
* Mit dem Herzen sehen
* Nicht alles, was vier Räder hat, ist ein Auto
* Hey, jetzt sind wir Geschwister aber auch mal dran!
* Politik - wer bestimmt eigentlich?

So erfahren wir z.B. etwas über das Bodenleitsystem und die Ampelleitsysteme für Sehbehinderte, die wir bestimmt schon oft gesehen haben, uns aber vielleicht noch keine Gedanken über die Funktionen gemacht haben.
Wir lernen die Gebärdensprache kennen und erfahren, dass es sichtbare und nicht sichtbare Behinderungen gibt. Es gibt Informationen über Unterstützungen und Hilfen und wie wir Inklusion leben bzw. leben könnten und erfahren, wie es ist eine Behinderung zu haben. Dass man auch mit einer Behinderung mehr am Leben teilhaben kann, als mache sich vorstellen können. Dass man auch mit einer Behinderung z.B. Blindheit Joggen oder Klettern kann oder auch Ski fahren kann, obwohl man im Rollstuhl sitzt.
Ganz wichtig ist aber auch zu erwähnen, dass es hier nicht nur um die Behinderungen und das Leben mit der Behinderung geht, sondern dass es durchaus auch ein Leben für jedes einzelne Familienmitglied gibt, dass angesichts der vielleicht auch größeren Aufmerksamkeit, die die Behinderung erfordert, nicht zu kurz kommen darf. Die Rede ist besonders von den nicht behinderten Geschwisterkindern, die natürlich auch mal mehr und einzeln Aufmerksamkeit möchten.
Durch die Vielfalt an Themen wird ein wirklich schöner Bogen gezogen, der Individualität, Gefühle, das Leben und auch den gesellschaftlichen Aspekt beinhaltet
Abgerundet wird alles zum Ende noch mit einem Wort an die Vorlesenden.

Es ist ganz klar, dass nicht alle Behinderungen und alle Bereiche zum Thema Behinderung, Leben mit Behinderung hier abgedeckt werden können, aber es ist ein richtig tolles und informatives Buch, das gerade Nicht-Behinderten Berührungsängste nehmen kann und Mut macht selbst Fragen zu stellen.
Immer wieder gibt es Beispiele dafür, wie man als Nicht-Behinderter auf Behinderte zugehen kann.
Wenn wir verstehen (lernen), dass wir alle nur Menschen sind und jeder einzigartig, dann verlieren wir vielleicht auch die Scheu auf Behinderte zuzugehen und in unser Leben zu lassen. Denn eines ist klar, jeder Mensch, den wir kennenlernen kann, eine Bereicherung für unser Leben sein.
Also kommt mit und lernt Bjarne kennen, der halbseitig gelähmt ist und trotzdem gern Fußball spielt, oder Zoe und Zara, deren Mama im Rollstuhl sitzt, was manchmal ziemlich praktisch ist, denn so haben sie immer einen "Sitzplatz".
Lernt Elise kennen, die ihre eigene Sprache spricht, die so haben unsere Kinder festgestellt, auch eine tolle Geheimsprache für "Nicht"-Behinderte sein kann. Ihr könnt auch Ben kennenlernen, der das Down-Syndrom hat oder Tom, der keine sichtbare Behinderung hat, aber gerade im schulischen Bereich schon mal Hilfe braucht.
Elif hat AD(H)S und Tarik ist Autist. Charlotta hat Diabetes, was für sie so einige Einschränkungen mit sich bringt. Und da ist Kuno, der etwas an sich hat, das viele vielleicht erst einmal seltsam oder abschreckend finden, aber für Außenstehende nur so wirkt, denn für ihn ist es zwar lästig, ständig an einem Schlauch und einem Gerät zu hängen, aber trotzdem liebt er sein Leben und genießt z.B. die Musik, die sein Papa macht.
Egal ob Bjarne, Kuno, Elise, Elif, Charlotta oder....,
es ist schön sie (und teilweise auch ihre Familien) etwas näher kennenlernen zu dürfen.
Für uns ist dieses Buch eine unglaubliche Bereicherung und Hilfsmittel, um mit Kindern über das Thema Behinderung ins Gespräch zu kommen.
Ich weiß aber auch, das Buch ist nicht perfekt.
Es gibt einige Stimmen von Menschen mit Beeinträchtigungen, die das Buch kritisch betrachten, weil es ihnen zu "oberflächlich" ist.
Aus ihrer Perspektive ist das bestimmt verständlich, doch müssen wir realistisch sein. Ein Buch wie dieses kann nicht alles abdecken, aber es ist meiner Meinung nach eine richtig tolle, und sehr umfangreiche und informative Grundlage, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen und Berührungsängste abzubauen.
Daher bekommt es auch eine echt große Herzensempfehlung.
Ich lege es allen, egal ob Familien, Kitas, Grundschulen oder anderen Einrichtungen ans Herz. Es sollte nirgendwo fehlen, denn es ist leider (noch) nahezu einzigartig. Ich kenne kein weiteres Buch, mit solch tollem Konzept, das Kindern das Thema so lebendig und gleichzeitig informativ näherbringt.
💖💗💙💚💛💜💗💖

PS: Wenn ich etwas schade finde, dann ist es, dass zwar auf dem Cover ein Kind mit Cochlea-Implantat zu sehen ist, aber auf diese Besonderheit im Buch nicht mehr eingegangen wird.
Immer mehr Schulen haben integrative Klassen gerade im Bereich Hörschädigung. Ich selbst kenne eine Schule, wo in jedem Jahrgang eine "Hör"-Klasse zu finden ist, in der Kinder mit Hörschädigungen insbesondere Cochlea-Implantaten mit "Normal"-Hörenden unterrichtet werden, was zeigt, dass es keine so seltene Beeinträchtigung ist.
Da das Buch ja nah an der Zielgruppe sein sollte, wäre hier ein extra Kapitel schön gewesen.

Und als Mutter eines autistischen Kindes (ebenfalls eine gar nicht so seltene Beeinträchtigung) fand ich die paar Worte, die über Autisten bzw. den Autismus zu lesen waren, viel zu klischeehaft.
Es gibt einen Spruch zu Autisten:
"Kennst du einen Autisten, kennst du genau einen."
Was bedeutet jeder Autist ist anders.
Autisten kann man nicht wirklich beschreiben, deshalb heißt es auch Autismus Spektrum Störung.
Dass sie z.B. "nicht gut Emotionen anderer Menschen erkennen" oder "gern Dinge" wiederholen oder schnell wütend werden, ist im Einzelfall durchaus richtig, aber sollte hier im Buch nicht exemplarisch aufgeführt werden, denn sehr, sehr viele Autisten fallen gar nicht auf, weil sie scheinbar "normal" sind.
Man kann Autismus nicht mit Klischee Merkmalen beschreiben, hier sollte kreativer gearbeitet werden.
Nicht ohne Grund fallen viele Autisten erst im weiterführenden Schulalltag auf.

Mehr zum Buch erfahrt ihr auch auf der Seite des Verlags. Der Link führt hin:

https://www.fischer-sauerlaender.de/buch/henrick-clausing-einzigartig-9783737374057